Kochen, Reisen, Abenteuer

Die Aussicht auf dem Weg durch den breiten Talboden ist atemberaubend. Wir fahren auf einer holprigen Sandstraße entlang eines fast ausgetrockneten Flusses. Abgesehen von ein paar weidenden Schafe gibt es kein Anzeichen für Zivilisation, die letzte Farm liegt schon einige Kilometer hinter uns. Wir fahren vorsichtig, die richtige Route ist kaum auszumachen. Die Straße teilt sich immer wieder. Sie führt einerseits über die Wiesen oder nimmt die Abkürzung über das Flussbett. Wir entscheiden uns intuitiv, über das Gras zu fahren, wo tiefe Fahrspuren das Land durchkreuzen. Ohne Geländewagen wären wir schon längst stecken geblieben. Obwohl wir genau diese Wege bewusst suchen, um abseits der großen Touristenströme zu reisen, ist uns auf dem unebenen Grund allen ein wenig mulmig zumute. Wir könnten so leicht mitten im Nirgendwo hängen bleiben.

Nach einer zweistündigen Fahrt erreichen wir unser Ziel. Am Berghang blinzelt eine kleine Wellblechhütte zwischen den Bäumen hervor. Sie ist viel kleiner, als wir sie uns vorgestellt haben. Voller Freude springen wir jedoch aus dem Geländewagen und laufen die letzten Meter hoch zur Hütte. Vor dem Eingang liegt Brennholz bereit, ein wenig abgelegen steht ein kleines Toilettenhäuschen. Jedermann kann hier übernachten, eine kleine Spende ist erbeten. In der Hütte müffelt es, gelüftet hat hier schon länger niemand mehr. Heimelig ist es hier aber. Auf dem Holztisch stehen angebrannte Kerzen. Bei den Fenstern befindet sich eine winzige Arbeitsfläche, aber mit grandioser Aussicht auf das Tal. Wir tragen unser Material nach oben zur Hütte. Yves nimmt den Gaskocher aus dem Kofferraum und ruft Iwan zu: »Fängt so nicht jeder schlechte Horrorfilm an?«

Das Wetter verschlechtert sich langsam. Schon bald ören wir die ersten Regentropfen auf das rote Blechdach fallen. Der Duft von frisch gebrühtem Grüntee füllt die Hütte. »Spielen wir eine Runde Karten?«, fragt Daniela und packt schon das Kartendeck aus. Dicke graue Wolken verhängen mittlerweile das ganze Tal, es regnet jetzt stärker. Plötzlich hören wir ein lautes Knacken, die Türklinke bewegt sich wie in Zeitlupe nach unten. Alle sind mucksmäuschenstill, wie versteinert schauen wir Richtung Eingang. Uns gehen die schlimmsten Horrorgeschichten durch den Kopf. Die Tür geht quietschend auf und eine freundliche Stimme sagt: »Hello guys!« Uns fällt ein Stein vom Herzen, als eine völlig durchnässte junge Frau vor uns steht. Rachel ist seit Wochen zu Fuß unterwegs und will sich in der Hütte von den Strapazen der Wanderung erholen. Sie ist eine aufgeweckte US-Amerikanerin. Sie erzählt uns den ganzen Abend von ihrer Reise alleine in der Wildnis und ist begeistert von unserem Kochbuchprojekt. Heute essen wir zu fünft. Sie ernährt sich normalerweise von Pasta und Haferflocken und kriegt sich vor Freude über so viel frisches Gemüse kaum wieder ein.

Am nächsten Morgen regnet es immer noch. Wir liegen alle im Bett, nur Yves steht vor dem Fenster und lacht: »Unser Auto schwimmt bald davon!« Der Fluss, gestern ein Bächlein, ist über Nacht zu einem reißenden Strom herangewachsen. »Wir müssen so schnell wie möglich aufbrechen, damit wir hier nicht festsitzen!«, meint Iwan und fängt an, seine Sachen zu packen. Noch viel nervöser als bei der Hinfahrt fahren wir den Fluss entlang zurück. An einigen Stellen ist die Straße komplett unter Wasser. Iwan watet immer wieder durch das Wasser, um die Tiefe abzuchecken. Das Auto ist komplett mit Schlamm bespritzt. Mit mehr Glück als Verstand schaffen wir es jedoch zurück zum Highway.

Tal auf der Südinseln in Neuseeland
Talkessel im Süden Neuseelands
Geländewagen im Tal
Hütte am Rande des Tals
Yves am Kochen
Iwan am Kochen
Grünkohl-Kiwi-Salat mit Süsskartoffeln
Grünkohl-Kiwi-Salat mit Süsskartoffeln
Geschirr abwaschen im Fluss
abwaschen am Fluss
Iwan am Abwaschen
Yves am Holzhacken
Relaxen in der Hütte