Yves on the road in Indonesia

Nach zwei Kochbuchreisen mit Iwan durch Australien und Neuseeland und vielen Monaten, die ich allein in Indien verbrachte, begann vergangenen Sommer ein neues Abenteuer für mich. Eine Stimme in mir schrie schon seit Langem: «Los, geh nochmals – einmal noch!». Nach all den Jahren, in denen ich oft allein auf Reisen war und die Welt für mich erkundete, begleitet mich nun meine Freundin Pascale. Für mich eine völlig neue Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Java, die meist besiedelte Insel Indonesiens, wartete also darauf, von uns erkundet zu werden.

 Die Reise begann in Yogyakarta. Eine Stadt im Zentrum Javas. Spät in der Nacht tuckerten wir vom Flughafen zu unserem Guesthouse etwas ausserhalb des Stadtzentrums. Die Strassen waren nur schwach beleuchtet und schienen unbelebt zu sein. Nach einer 30-minütigen Fahrt erreichten wir die kleine Unterkunft, die sich als grüne Oase, inmitten einer indonesisch-muslimischen Grossstadt entpuppte. Nicht zu übersehen waren die grossen Jackfruchtbäume, die von der Mitte des Innenhofs in die Höhe ragten. Sogar im Dunkeln konnte man die riesigen Früchte an den Stämmen hängen sehen. Bereits früh am nächsten Morgen starteten wir mit einem Motorroller unsere erste Erkundungstour. Die Inselgruppe ist bekannt für ihren guten Kaffee. Nicht lange und wir rochen schon die ersten Röstaromen. Obwohl ich mir vornahm, nicht täglich eine Tasse zu trinken, konnte ich einfach nicht widerstehen. Filterkaffee serviert in einer Glasflasche – das war was ganz Neues. Das Brühgetränk hatte eine leichte Vanillenote und war der perfekte Start für unseren ersten Tag auf der Insel. Da wir beide wild auf tropische Früchte sind, gab es danach die erste frische Kokosnuss.

Yogyakarta ist auch bekannt für sein spirituelles Erbe. Einer der bekanntesten buddhistischen Tempel befindet sich etwas ausserhalb der Stadt. Der Borobudur ist einer der grössten Tempel der Welt! Nach einer guten Stunde Fahrt entlang saftig grüner Reisfelder erreichten wir den magischen Ort.

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Wasserfall in Batu
Borobudur-Tempel
Yves am Meditieren

Ein paar Tage später reisten wir mit Zug und Taxi weiter nach Batu. Eine Stadt inmitten der Berge Zentraljavas. Die Reise war nicht immer einfach. Nur sehr wenige Menschen sprachen Englisch. Doch wir wussten uns mit Händen, Füssen und dem Google Übersetzer zu Helfen. Die Bergstadt Batu war ein Besuch wert. Allein für den Blick auf Arjuna, einen der grössten Vulkane Indonesiens, hat sich der Weg gelohnt. Dies war der eindrücklichste Vulkan, den wir zu sehen bekamen.

Etwas werde ich von Java nie vergessen. Als wir in Banjuwangi waren, eine kleine Hafenstadt ganz im Osten der Inseln, hörten wir von einer Vulkanwanderung. Nicht lange und es juckte uns unter den Füssen. Wir wollten unbedingt auf einen Vulkan wandern. Noch in derselben Nacht wurden wir um 00.30 Uhr von einem Taxi abgeholt, welches uns zum Hang des Berges Ijen brachte. Dort angekommen witzelte ich mit Pascale: «Das wird eine Völkerwanderung». Hunderte Menschen in Wanderschuhen, Jacken und Taschenlampen waren am Basecamp versammelt und tranken gemütlich ihren ersten Kaffee an diesem noch so frühen Morgen. Der zweistündige Aufstieg glich mehr einer Massen-, als einer ruhigen Nachtwanderung. Im Schatten des Weges standen Indonesische Sherpas, die mit ihren kleinen einplätzigen Schubkarren uns nachriefen: «Taxi, Taxi?». Wir konnten uns ein Grinsen nicht verkneifen, als wir andere Nachtwanderer sahen, die sich den Berg hochziehen liessen. «Unglaublich», dachte ich mir. Dies zeigte mir wiedermal, dass es auf dieser Welt nichts gibt, was es eben nicht gibt. Jedenfalls hatten wir trotz penetrantem Schwefelgeruch Spass während dem Aufstieg. Oben angekommen hiess es dann: «Go down, go down!!!» Ich blickte in den Krater und sah eine endlos lange Lichterkette, die langsam im Schwefelnebel zu verschwinden schien. Auch wir schlossen uns dem absteigenden Menschenstrom Richtung Vulkankrater an. Kurz nach halbem Abstieg wurde es mir zu viel. Ich sagte zu Pascale: «Es tut mir leid, ich gehe hier nicht weiter. Mir brennen die Augen, ich kann kaum atmen und ich muss hier wirklich nicht mit 1000 anderen Touristen weiter nach unten.» Also kehrten wir um und liefen gegen den Strom und die Anweisung unseres Reiseführers in Richtung Bergspitze. Dies stellte sich als eine super Entscheidung heraus: Oben angekommen, durften wir einen wunderschönen Sonnenaufgang beobachten.

Sonnenaufgang auf dem Vulkan Ijen
Schubkarren-Taxi
Yves auf dem Vulkan
Yves mit Atemschutzmaske

Am darauffolgenden Tag hüpften wir auf die nächste Fähre Richtung Bali. Auf Bali, wo die hinduistische Minderheit Indonesiens zuhause ist, gibt es um Längen mehr Touristen als auf Java oder in anderen Regionen Indonesiens. Dies vereinfacht das Leben eines Reisenden enorm – vor allem wenn man sich vegetarisch oder rein pflanzlich ernähren möchte. Von nun an durften wir die Vielfallt der Indonesischen Küche in vollen Zügen auskosten. Nebst den Klassikern Nasi Goreng und Bami Goreng (gebratener Reis oder Nudeln mit Gemüse und Tofu) gibt es hier fast alle Indonesischen Gerichte auch vegetarisch und vegan. Zum Beispiel Nasi Campur, eine indonesische Buffet-Variante, bei der man diverse Zutaten selbst zusammenstellen kann. Ich mochte dieses Gericht am liebsten mit braunem Reis, etwas Tempeh, Mungobohnensprossen, gekochten Kartoffeln und jede Menge Erdnusssauce. Tempeh ist ein traditionell Indonesisches Fermentationsprodukt. Den gekochten Sojabohnen werden verschiedene Schimmelpilzarten eingeimpft. Die ganze Masse wird dann in Reifebeutel geformt und anschliessend für min. 48 Stunden bei ca. 38 Grad fermentiert. Ob gebraten, frittiert oder mit Soja- oder Erdnussauce übergossen, ich konnte nicht genug davon kriegen. Vielleicht auch weil wir es in der Schweiz nur in Reformhäusern finden und um einiges teurer ist als Tofu. Auch Gado Gado, was so viel wie Durcheinander bedeutet, darf auf einem Bali-Trip nicht fehlen. Hier bekommt man Gemüse, abgekochte Weisskohlblätter, frittierter Tofu oder Tempeh, Kartoffeln und gekochte Eier mit Erdnussauce serviert. Oft ass ich dieses Gericht schon zum Frühstück. Im Hippen Ubud auf Bali war ich dann aber auch froh, einfach ein paar Früchte mit hausgemachtem Granola geniessen zu können.

 Neben den vielen lokalen Gerichten gibt es auf Bali Unmengen an Restaurants, die uns mit ihren kreativen Ideen oftmals zum Staunen brachten. Zum Beispiel ass ich einmal geräucherte Papaya, die fast wie geräucherter Lachs mit frischem Dill schmeckte. Dies faszinierte mich und zeigte mir einmal mehr, dass man mit einer veganen Ernährung auf nichts verzichten muss. Manchmal muss man über den Tellerrand hinausblicken, um neue Geschmäcker entdecken zu können. Wer also gerne vegetarisch isst und nichts lieber tut als auf einer tropischen Insel seinen Urlaub zu geniessen, darf sich das kleine Inselparadies nicht entgehen lassen.

Buddha auf Bali
Yves am Strand in Bali
Yves und Pascale am Baden

Neben den vielen tollen Stränden gibt es auch wunderschöne kleine Bergdörfer, die sehr einfach mit einem Motorroller zu erreichen sind. Schon kurz nachdem ich in Munduk ankam, durchfloss ein würziger Duft meine Nasen. Ganz egal wohin ich auch lief, immer wieder konnte ich dieses Aroma wahrnehmen. Noch am selben Tag lief ich einen kleinen Weg mitten durch den Wald in der Nähe des Dorfes. Schon bald nahm ich die riesigen Bäume neben mir war, dessen farbigen Blüten die Äste zierten. Ich beobachtete die Einheimischen, wie sie auf diese Bäume kletterten und irgendetwas ernteten, doch ich sah keine Früchte an den Bäumen. Ich ging weiter und durchquerte einige Reisfelder, bis ich zu einem Haus kam, vor dem ein Haufen dieser Blüten auf dem Boden lagen. Angeblich werden sie von der Sonne auf Blachen getrocknet. Eine Balinesische Frau kam zu mir und erklärte mir dann, dass dies Gewürznelken waren. Da ging mir ein Licht auf und endlich konnte ich diesen mir bekannten Duft zuordnen. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, wie und wo Nelken eigentlich wachsen. Mir wurde bewusst, für wie selbstverständlich ich dieses Gewürz ansah und täglich benutze, ohne zu wissen, woher diese Zutat doch eigentlich stammt.

Gewürznelken werden getrocknet
Nelkenbaum auf Bali
getrocknete Nelken